Historie

„Seegockel, was ist das für ein Wort, was bedeutet es und wo kommt es her? Die Jüngeren unter uns werden lachend antworten: „Wer kennt ihn schon nicht, er ist doch das stolze Wappentier unserer Häfler Fasnet!“ Die Älteren jedoch, sofern sie echte Oberschwaben sind, werden schmunzeln, denn nur noch sie wissen, daß man zwischen dem Bodensee und der Donau seit eh und je einen Menschen, der irgend etwas ungeschicktes oder närrisches getan hatte, einen S… Seegockel nannte. Darum war es gar kein schlechter Einfall von Max Mayer diesem aussterbenden Wort ein lebendes Denkmal zu setzen, zumal es als winterlicher Gegenpol des Seehasen, das Festgeschehen unserer Stadt ebenbürtig abrundet.

Wir freuen uns, daß gerade Viktor Metzger aus Überlingen, der als strengster Gegner jeglichen Kopierens gilt, in seinem Buch „Narro und Hänsele“ für den Seegockel einige sehr schöne Worte gefunden hat: „Eine völlig neue Schöpfung stellte Friedrichshafen mit seinem Seegockel auf die Beine, dem man, da er in der Erscheinung eine gute Erfindung ist, nur wünschen kann, daß ihm mit der Zeit zu Federkleid, Kamm und Schnabel noch die entsprechende närrische Tradition anwachse“.

Dieser Wunsch ist bei uns auf fruchtbaren Boden gefallen und unser fröhliches „Gockelores Kikeriki“ ist im Begriff, sich immer weiter auszubreiten. Dabei muß ich aber auch gleichzeitig sagen, daß unseren Häflern dieses „Gockelores“ anfangs immer etwas quer im Mund gelegen war. Den Grund dafür will ich Euch heute nennen: „Gockelores“ ist kein schwäbisches Wort, sondern es stammt von irgendwo aus dem Rheinland und heißt so viel wie Unsinn oder Narretei. Weil aber gerade der Gockel in diesem Wort drinsteckt, und unsere Stadt ja auch eigentlich am Rhein liegt, haben wir dieses Wort ohne Bedenken übernommen, und man kann sagen, daß es heute schon zum Schwäbischen Wortschatz gehört.

Max Mayer gründete die Gruppe 1951 und führte sie 33 Jahre lang bis 1983.

Ein farbiger Entwurf des Seegockels, der dem damaligen Vereinsausschuß im November 1951 vorgelegt wurde, fand ungeteilte Zustimmung und es wurde beschlossen, noch im gleichen Jahr ein Musterexemplar herzustellen. Vor dem Weihnachtsfest war der erste Seegockel fertig – und so kommt es, daß das Jahr 1951 das Geburtsjahr des Seegockels ist. Zum Glück war die damalige Fasnet lang, so daß wir bis zum Bürgerball am 16. Februar 1952 Zeit hatten, die Kostüme zu schneidern. Der damalige Elferrat Martin Fränkel war einer der Haupthelfer in diesen Tagen. Martin Fränkel und die damalige Narrenmutter Klara Mangold ließen auch ihre Verbindungen spielen und versuchten, ob nicht die Narren aus Bad Waldsee als Pate zu gewinnen wären. Anfangs sah es so aus, als ob es klappen würde, aber die alten Narrenstädte waren nicht erfreut über eine Konkurrenz. Sie glaubten, damals alleine das Recht zu haben, eine Fasnet zu feiern. So erhielten wir eben eine Absage. Wir wandten uns darauf ins Badische nach Markdorf, wo Hans Ströhle seinen Hänselern vorstand. Aber er war nicht nur Zunftmeister von Markdorf, sondern auch der Präsident der Alemannischen Narrenzünfte. Er besaß den Mut, sich über diese altmodischen Vorurteile hinwegzusetzen und willigte ein, unseren Götte zu machen. Nun konnte die Taufe vorbereitet werden.

Wie kommt ein Gockel auf die Welt? Aus dem Ei natürlich, also mußten zuerst in Mangolds Elektrowerkstatt aus Draht zehn Eier gefertigt werden, die dann mit Papier bespannt wurden. Diese wurden dann über die Gockel gestülpt und so trippelten am Bürgerball, angeführt von der Narrenmutter Klara Mangold und dem Narrenvater Sepp Freivogel, 10 schneeweiße Eier in der Festhalle auf die Bühne. Nach dem Aufpicken und Befreien von der Schale, wobei die Hänseler von Markdorf behilflich waren, wurden wir von unserem Götte Hans Ströhle getauft. Die Vorführung des Gockeltanzes war dann der erste Auftritt des Seegockels und zugleich der Glanzpunkt des ersten Bürgerballes, der in Friedrichshafen veranstaltet wurde.

Die im Winter 1951 gefertigten Gockelkostüme wurden dann zur folgenden Fasnets-zeit von nachstehenden Mitgliedern getragen: Max Mayer, Josef Grötsch, Willi Flemming, Agathe Flemming, Julius Otto sen., Rosa Otto, Tilly Frank, Karl Fränkel, Willi Höfle und Josef Engler.

Ein Grafiker, namens G. E. Wagner, bekam den ersten farbigen Entwurf, um daraus ein Vereinswappen zu erarbeiten. Anscheinend gefiel ihm der bewußt  siebenzackige Gockelkamm nicht und er unterschlug einen, so daß wir heute das Kuriosum haben, daß der auf allen vom Gesamtverein herausgegebenen Schriften, Emblemen oder Orden dargestellte Gockel nur sechs Zacken hat, während der echte Seegockel sich bis heute noch seines siebenzackigen Kammes erfreut.

Bei uns in Friedrichshafen wurde wie fast überall in Oberschwaben in den frühen Jahren des Vereins am Fasnetsdienstag die Fasnet begraben. Max Mayer suchte deshalb nach etwas Besonderem, um die Häfler Fasnet zu beenden. So entstand die Idee des Gockelmetzgers, der kurz vor Mitternacht die Gockel schlachtet. Ruth Mayer, als erster Metzger in einem Kochkostüm, mit einem echten scharfen Küchenmesser bewaffnet, mußte am Ende der Fasnet 1952 die Seegockel metzgen. Im darauffolgenden Jahr erhielt der Gockelmetzger sein Kostüm, so wie wir ihn heute kennen.

Die Narrengruppe Seegockel hatte schon in den ersten Jahren ihres Bestehens mit dem Gründungsmitglied Julius Otto sen. ihren eigenen Narrenbüttel.

1954 wurde unsere Gruppenfahne angefertigt. Auf einer Seite ein gestickter See-gockel. Auf der anderen Seite ein närrisches Friedrichshafen. Der wunderschöne Gockelfuß aus Kupfer stammt aus der Hand unseres ehemaligen Mitgliedes Julius Otto. Der erste Fähnrich war Karl Eisele, der ab 1960 an den Umzügen die Gockel-fahne voraus getragen hatte.

Beim Bürgerball am 30.01.1954 unter dem Motto: „Uns läuft der Narrenbrunnen über!“ wurde der Gockelnarr dem Publikum vorgestellt. Er entstand nach einer Idee von Max Mayer und wurde von seiner Frau Ruth Mayer dargestellt. In der Presse war u. a. vom Bürgerball zu lesen: „Zusätzlich trat auch noch ein kleiner Gockelnarr auf, der neben dem Elferrat und dem Prinzen Gockolores die Narren fröhlich dirigierte!“ Der Gockelnarr ist eine Einzelfigur und gehört zur Gockelgruppe.

Beim Umzug 1957 fuhr auf dem Festwagen in einer Eischale der erste kleine Gockel, Thomas Mayer, mit 1 ¾ Jahren mit.

In den folgenden Jahren bekam die Gockelgruppe immer mehr kleine Gockelkinder. Deshalb bastelten 1959 die Gockelväter für die Küken Eierwagen.

1963 entstanden für die größeren Kinder die Laufeier, die leider im Laufe der Jahre wieder von der Bildfläche verschwanden.

Januar 1963 – erste Kontakte mit dem Mainzer Carnevalsclub (MCC). Eine Abord-nung aus Friedrichshafen mit Max Mayer im Gockelkostüm erhielt viel Beifall auf der Bühne des MCC bei einer Prunkfremdensitzung im Kurfürstlichen Schloß in Mainz und legte damit den Grundstein für eine dauerhafte Freundschaft.

Schon 1970, also lange bevor die Zunftmeisterempfänge im Schloß stattfanden, führ-te die Seegockelgruppe im Schloßhof ein Narrenspiel auf und wurde anschließend von S.K.H. Herzog von Württemberg in den Privatgemächern bewirtet. S.K.H. erhielt damals den Ehrentitel „Carolus Maximus Gockolorum“.

Zum 25jährigen Bestehen des Gesamtvereins im Jahre 1973, trat von den Seegockeln eine mit viel Beifall bedachte Gesangsgruppe mit einer Trommel und einem Glockenspiel beim Festakt auf.

6. Februar 1975 – 25jähriges Jubiläum der Gockelgruppe

Anläßlich des 25jährigen Bestehens veranstaltete die Gockelgruppe eine Ausstellung „25 Jahre Gockel-Motiv“ im Kolpingsaal. Es ist erstaunlich, in wie vielen Variationen das Gockelmotiv als Symbol der HäflerFasnet seit 1951 Verwendung gefunden hat. Zum Jubiläumsfest waren prominente und weniger prominente aber liebenswerte Gönner der Gockel, die Elferräte und Gruppenführer sowie die ganze Gockelgruppe anwesend. Als absolute Überraschung für Max Mayer trat an diesem Abend seine Tochter Ulrike als Gockelnarr auf. Sie hatte das Häs nach alten Fotografien neu genäht, nachdem das alte Häs nicht mehr vorhanden war.

Von Juni 1983 bis Mai 1985 war Ulrike Mayer-Krafcsik Gruppenführerin. Während ihrer Amtszeit entstand 1984 ein neuer Gockeltanz. Die Choreographie für diesen Tanz stammt von Gertrud Eberle.

1984 wurde Max Mayer zum Ehrenobergockel ernannt und ging in die „Seegockel-pension“. Wer Max und Ruth kennt, weiß, daß ihre Hände dennoch nicht für den Seegockel ruhen konnten. Denn seit dieser Zeit gibt es die „Gockelpuppe“, einen Original-Seegockel, ca. 25 cm hoch.

Im Jahre 1984 griff Werner Böhmer die Idee des Büttels wieder auf. Der erste Auftritt war anläßlich der Häskontrolle am 07.01.1985 im Gasthof „Rebstock“ in Hofen.

Von Mai 1985 bis Juni 1987 amtierte Werner Böhmer ebenfalls für 2 Jahre als Gruppenführer.

Von Juni 1987 bis September 1988 fungierte Zunftmeister Franz Schlegel als Gruppenführer. Ihm zur Seite standen Manfred Maier und Karl-Heinz Erlewein.

Von September 1988 bis April 1992 leitete Manfred Maier die Geschicke der Gruppe. Ihm zur Seite stand Bernd Fischer.

Im April 1992 fand dann ein Rollentausch statt. Manfred Maier übernimmt das Amt des Stellvertreters und Bernd Fischer die Leitung der Gockelgruppe.

Ab April 2003 wurde die Gruppe von der zweiten weiblichen Gruppenführerin Barbara Springer geleitet, ihr zur Seite im Amt des Stellvertreters stand Ihr Mann Herbert Springer.

Seit 2011 ist nun Ingo Krafcsik, Enkel des Gründers Max Mayer in dem Amt des Gruppenführers. Ebenfalls aus eigener „Aufzucht“ unterstützt Pascal Erlewein als Stellvertreter.